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Als Vorstand des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg appellieren wir an alle Menschen dabei mitzuhelfen, sich der Gefahr des gesellschaftlichen Auseinandertreibens und dem Gift des Populismus entgegenzustellen. Wir dürfen uns nicht gegenseitig ausspielen lassen. Vielmehr gilt es, alles das zu stärken, was uns verbindet und eint.

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„Zeit, in eine neue Zukunft aufzubrechen“

„Bericht zur Lage“ von Diözesanratsvorsitzendem Dr. Michael Wolf – Synodaler Weg in Deutschland: „Kirche war nie statisch, sondern immer dynamisch“ – Aussprache mit Bischof Jung: Ukrainekrieg verschärft finanzielle Lage

Würzburg (POW) Angesichts der Energiekrise hat Diözesanratsvorsitzender Dr. Michael Wolf in seinem „Bericht zur Lage“ am Freitag, 14. Oktober, bei der konstituierenden Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg schnelle und zielgerichtete Hilfe für die Schwächsten der Gesellschaft gefordert. Nicht nur die Politik sei in der Pflicht, sich um jene zu kümmern, die in eine Notlage geraten sind oder zu geraten drohen. „Auch wir als katholische Kirche sollten und müssen prüfen, ob und wenn ja, wie wir helfen können“, sagte er vor den Delegierten im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg. In der Aussprache mit Bischof Dr. Franz Jung am Samstag, 15. Oktober, ging es unter anderem um die Ausgestaltung der Pastoralen Räume, die strategischen Ziele des Bistums sowie den Stand der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Diözese.

Die Abhängigkeit von russischer Energie zeige sich durch die massiv gestiegenen Abschlagszahlungen für Gas und Strom. „In Deutschland befürchten viele, ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können“, warnte Wolf. Es sei zwingend notwendig, dass die Politik sich um diejenigen kümmere, die in dieser Situation in eine Notlage geraten sind oder zu geraten drohen. Ähnliches gelte für Schulen, Universitäten, Hilfsorganisationen und Krankenhäuser, die ebenfalls unter den steigenden Energiekosten litten. Die Ablösung von fossilen Energien müsse vorangetrieben werden, sagte Wolf. „Ich bin froh, dass unsere Diözese sich auch weiterhin auf dem Weg befindet, die Umwelt zu schonen, und damit auch unsere Energierechnungen ins Visier nimmt. Wir alle tragen in gleichem Maße die Verantwortung für die Schöpfung. Vergessen wir nie: Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt.“

Weiter sprach Wolf das Thema assistierter Suizid an. Nachdem das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2020 das Verbot der „geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ (Paragraf 2017) gekippt habe, werde aktuell nach Ersatz gesucht. „Wir dürfen auf keinen Fall in die Situation kommen, dass wir zwischen ,würdigem‘ und ,unwürdigem‘ Leben unterscheiden“, warnte er. „Unser Ziel muss es sein, das Leben zu schützen und es nicht wie ein defektes Gerät auszusortieren und zu verschrotten.“ Ein weiteres Thema war die Gleichstellung der Frau in Deutschland. „Wir bemühen uns, haben es aber in Kirche und Gesellschaft noch nicht wirklich geschafft, diese Gleichberechtigung, den Zugang zu allen Ämtern und Positionen, unabhängig vom Geschlecht zu gestalten“, stellte er fest. „Ich denke, es ist auch Zeit für die Kirche, Überkommenes hinter uns zu lassen und in eine neue Zukunft aufzubrechen.“

Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland werde von manchen als Angriff auf die Kirche gewertet – auch von manchen Beteiligten. „Aber die Kirche war noch nie statisch. Sie war immer dynamisch und hat sich an die jeweiligen Anforderungen der Zeit angepasst.“ Die Abstimmung über den Grundtext „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, der aufgrund des Votums der Bischöfe durchgefallen sei, wecke ihn im „Zweifel über den Kurs der Kirche in Deutschland“, erklärte Wolf. Er dankte Bischof Jung dafür, dass dieser sein Abstimmungsverhalten sehr schnell öffentlich gemacht und diesem Text zugestimmt habe. „Die Kirche muss anerkennen, nicht nur beim Arbeitsrecht, weil ihr da die Mitarbeitenden knapp werden, dass es hinsichtlich ,Sex‘ und ,Gender‘ wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die es zu berücksichtigen gilt“, forderte Wolf. „Glauben wir denn wirklich, dass wir Gottes Wege ein für alle Mal erkannt haben?“

Er hoffe, dass der Schock der Vierten Synodalversammlung zu einer „gemeinsamen, aufgeschlossenen Haltung der Bischöfe führt“, erklärte der Vorsitzende. „Die Auswirkungen dieser Haltung, dass alle Lehraussagen – auch die nicht wirklich glaubensrelevanten – unveränderlich und seit jeher wahr sind, bedroht uns. Wir lassen damit vielen Menschen keine andere Chance, als uns den Rücken zu kehren.“ Befremdlich finde er auch die Rezeption des Synodalen Wegs in Teilen der Weltkirche, fuhr Wolf fort und nannte als Beispiel den Nazi-Vergleich von Kurienkardinal Kurt Koch. „Meines Erachtens versucht er damit, eine Entwicklung aufzuhalten, die nicht aufhaltbar ist.“

Mit der Errichtung der Pastoralen Räume sei ein „Meilenstein“ erreicht worden, sagte Wolf. „War im Jahr 2015 der Pastorale Raum nur eine Organisationsdefinition, die es ermöglichen sollte, die Hauptamtlichen optimal in der Fläche einzusetzen, ist er in der Zwischenzeit zu einem wesentlichen Bestandteil der Kirchenorganisation in der Diözese Würzburg geworden.“ Doch sei die Einrichtung der neuen Struktur vornehmlich Aufgabe der Hauptamtlichen und insbesondere der Leiter, erklärte der Vorsitzende mit Blick auf Vorwürfe, dass die Laien wenig Interesse an den neuen Strukturen hätten: „Erst wenn die Strukturen eingerichtet und erkennbar sind, dann können die Prozessverantwortlichen einladen, die Gremien entsprechend besetzen und mit Leben füllen. Die fehlende Akzeptanz allein den Laien zuzuweisen, ist mit Sicherheit nicht richtig und nicht zielführend.“

Bischof Jung berichtete in seinem Wort an die Delegierten von seinen Besuchen in den Pastoralen Räumen. Seit September 2021 habe er insgesamt zwölf Pastorale Räume besucht, in diesem Jahr stünden noch Bad Kissingen, Karlstadt, Gerolzhofen und Hammelburg an. „Es sind wichtige und sehr wertvolle Termine.“ Häufige Themen seien unter anderem die Rollen- und Aufgabenverteilung im Pastoralen Raum, die Sozialraumorientierung, die Kommunikation untereinander und mit dem Bischöflichen Ordinariat, Immobilien und die hohen Energiekosten. „Wir stehen vor großen Einsparungsherausforderungen“, erklärte Bischof Jung. Durch den Krieg in der Ukraine sei die ohnehin ernste Situation noch verschärft worden. In einer Projektgruppe werde zusammen mit dem Diözesanrat an strategischen Zielen gearbeitet, welche die Grundlage für die Haushaltsplanung 2024 darstellen sollen. Ziel sei ein ausgeglichener Haushalt bis 2025. „Die Einnahmen werden weniger“, betonte der Bischof. Aber die Verantwortung für ein funktionierendes kirchliches Leben liege bei allen. Er appellierte an die Kreativität der in der Kirche Engagierten: „Sagt nicht nur, was ihr nicht mehr macht. Erklärt, was ihr macht, was ihr machen wollt und wie man es anders oder mit anderen gemeinsam tun kann.“

Edeltraud Hann, Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), warnte vor einer Kürzung der Zuschüsse für die Bahnhofsmissionen. „Das ist Sparen an den Ärmsten der Armen.“ In Darmstadt habe die Bahnhofsmission aufgrund von Einsparungen bereits schließen müssen. Man müsse bei der Frage, was Prioritäten seien, einen Blick darauf haben, sagte Bischof Jung. Er arbeite selbst ehrenamtlich in der Bahnhofsmission mit: „Meiner Erfahrung nach sind Bahnhofsmissionen ein Seismograf für das, was in der Stadt los ist.“ Er betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Sozialraumorientierung, bei der Pastoral und Caritas enger vernetzt werden.

Der Bischof gab zudem einen Überblick über den Stand der Aufarbeitung des Missbrauchs im Bistum. Zwei Aufarbeitungsprojekte seien auf den Weg gebracht: die juristische Aufarbeitung durch eine externe Kanzlei nach Beauftragung durch die Aufarbeitungskommission (geplanter Start: Dezember 2022) sowie die (kirchen-)historische Aufarbeitung durch die Universität Würzburg unter der Leitung des Würzburger Kirchenhistorikers Professor Dr. Dominik Burkard. Auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) seien die Aufgabenbereiche der Aufarbeitung neu strukturiert worden. Vorgesehen seien ein unabhängiger Expertenrat, ein Betroffenenbeirat sowie eine Bischöfliche Fachgruppe, geleitet von dem neuen DBK-Beauftragten für Missbrauch Bischof Helmut Dieser (Aachen). „Das Ziel ist, eine möglichst große Unabhängigkeit herzustellen“, erklärte Bischof Jung.

sti (POW)