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Neuer Diözesanratsvorsitzender Dr. Michael Wolf über die Herausforderungen in den kommenden vier Jahren – „Beim Thema Missbrauch geht es an das Eingemachte der Kirche“

„Wie positionieren wir uns hier, jetzt und heute?“

Dr. Michael Wolf aus Schmerlenbach (Landkreis Aschaffenburg) ist am Samstag, 13. Oktober, bei der konstituierenden Sitzung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg zum neuen Diözesanratsvorsitzenden gewählt worden. Im folgenden Interview spricht er unter anderem über die aktuellen Herausforderungen, erklärt, warum das Gremium immer auch politisch ist, und gibt einen Ausblick auf die bevorstehenden vier Jahre.

POW: Herr Dr. Wolf, Sie sind mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg gewählt worden. Welche Gefühle haben Sie, wenn Sie an die bevorstehenden Aufgaben denken?

Dr. Michael Wolf: Es ist für mich weniger eine Frage der Gefühle als ein Sortieren der Aufgabenstellungen, die auf uns zukommen. Man muss zunächst analytisch rangehen. Wir bewegen uns auf verschiedenen Ebenen in neuen Bereichen.

POW: Was genau meinen Sie?

Wolf: Da ist zum einen der neue Bischof, von dem wir einen Eindruck haben, aber den wir noch nicht wirklich kennen. Wir müssen erst mal feststellen: Wie denkt er, in welche Richtung zieht er. Dann hat sich der Diözesanrat neu konstituiert, mit einem relativ hohen Anteil an neuen Kolleginnen und Kollegen. Das bedeutet für uns, wir müssen zunächst einmal sehen, was die Bedürfnisse sind, die aus unserer eigenen Gruppe herauskommen. Wenn wir das klar haben, kommen noch die Anforderungen, die uns auf diözesaner Ebene betreffen werden.

POW: Zum Beispiel?

Wolf: Da ist zum einen die Umorganisation unserer Pfarreienlandschaft. Auch wenn derzeit ein Moratorium ausgesprochen ist, müssen wir uns mit dem Thema auseinandersetzen. Es gilt zu analysieren, was aus den Modellprojekten geworden ist. Bislang gibt es da relativ wenig an Rückkopplung. Bevor die Neugestaltung im kommenden Jahr wieder losgeht, sollten wir da einen guten Überblick haben. Ein anderes wichtiges Thema ist: Wie stehen wir als Kirche in der Öffentlichkeit da? Beim Thema Missbrauch geht es an das Eingemachte der Kirche. Wie gehen wir strukturell mit dem Thema Missbrauch um? Was bedeutet es für Kirche als Organisation? Wir können nicht einfach so darüber hinweggehen und sagen: Es ist schlimm, was da passiert ist, aber wir ändern nichts wirklich Tragendes. Das gleichzeitig mit der Umorganisation im gesamten Bistum und auch der diözesanen Verwaltung ist ein großes Spannungsfeld – und ein spannendes Feld. Da müssen wir als Diözesanrat die Situation analysieren und uns positionieren. Es geht insgesamt mehr um Analyse, weniger um Emotionen.

POW: Steht Kirche angesichts des Missbrauchsskandals und angesichts der öffentlichen Debatte um die Finanzen – um nur zwei Beispiele zu nennen – nicht in Gefahr, in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu einem Randphänomen zu verkommen?

Wolf: Für mich ist die entscheidende Frage: Wie positionieren wir uns hier, jetzt und heute. Da ist der Missbrauch der eine Fall, die Finanzen ein anderer. Es heißt oft: Die katholische Kirche ist reich. Was heißt reich? Haben wir einen hohen Cashflow oder haben wir hohes Anlagevermögen? Der Dom in Würzburgs Stadtmitte hat bestimmt einen tollen Grundstückswert. Aber seine Unterhaltung kostet gleichzeitig viel Geld und er ist natürlich das zentrale Gotteshaus der Diözese. Die Kirche in sich ist nicht unbedingt reich in Bezug auf Geldmittel, aber auch nicht arm. Das müssen wir nach außen vertreten. Wir müssen unsere Positionen klar bekommen, dass wir auch nach außen wahrnehmbar sind. Das ist keine Frage der Zeit, das muss jetzt passieren.

POW: Einige kircheninterne Kritiker bemängeln, dass der Diözesanrat zu politisch und zu wenig spirituell ist. Wie sehen Sie das?

Wolf: Spiritualität und Politik sind für mich zwei sehr wohl miteinander vereinbare Dinge. Auf der einen Seite ist die Spiritualität eine Notwendigkeit aus unserem Glauben heraus. Auf der anderen Seite bedingt das natürlich auch, dass ich politisch Stellung nehme. Ich kann an gewissen Dingen nicht einfach vorbeigehen, sondern bin gefordert, meine Meinung dazu zu sagen. Natürlich besteht dann immer die Gefahr, und so wird es auch sein, dass wir dem einen oder anderen mit einer Aussage auf die Füße treten. Damit müssen wir leben. Ich denke da auch immer in Richtung Zivilcourage. Dinge, die nicht richtig sind, müssen wir benennen. Da kann man immer sagen: Es gibt eine Trennung zwischen Kirche und Staat. Es wird aber keine Trennung geben zwischen meiner Zivilcourage und meiner kirchlichen Aktivität. Das gehört für mich zusammen.

POW: Lassen Sie uns einen Blick voraus werfen in das Jahr 2022, wenn diese Amtsperiode des Diözesanrats zu Ende gehen wird. Welches Resümee würden Sie dann gerne im Rückblick ziehen?

Wolf: Wir haben vielleicht nicht alles geschafft, aber das, was wir gemacht haben, haben wir gut gemacht.

Interview: Markus Hauck (POW)

Zur Person

Dr. Michael Wolf (57) ist neuer Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg. Der promovierte Physiker trat nach der Doktorarbeit in den Dienst eines IT-Unternehmens. Nach Tätigkeiten in der Entwicklung, Beratung und Projektmanagement ist er jetzt dort im Management für die Bereiche Marketing und Sales verantwortlich. Kirchlich sozialisiert wurde er als Ministrant. Dabei arbeitete er sowohl in seiner Pfarrgemeinde als auch überregional mit dem Bischöflichen Jugendamt und der Mariannhiller Jugendbegegnungsstätte in Würzburg zusammen. Seit 1990 gehört Wolf dem Pfarrgemeinderat, seit 2002 dem Dekanatsrat Aschaffenburg-Ost und dem Diözesanrat an. Er ist seit 2010 Mitglied des Diözesanpastoralrats und des Vorstands des Diözesanrats. Wolf lebt in Schmerlenbach, ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

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