Würzburg (POW) Wenn es nach dem Diözesanratsvorsitzenden Dr. Michael Wolf geht, darf in der kommenden Wahlperiode wieder stärker die inhaltliche Arbeit im Mittelpunkt des höchsten Laiengremiums im Bistum Würzburg stehen. „Wir waren in den vergangenen Jahren durch die Strukturreform im Bistum sehr fremdgesteuert“, attestierte er bei der Frühjahrvollversammlung Von Freitag, 6., bis Samstag, 7. März, tagten die Delegierten im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten.
Zu zwei Punkten aus der vergangenen Amtsperiode machte Wolf ausführlichere Anmerkungen: der Sakramentenspendung durch Laien sowie der partizipativen Leitung. Im vergangenen Jahr gab es im Diözesanrat den Antrag, für bestimmte Sakramente wie zum Beispiel die Taufe die Spendung durch Laien zu erlauben. „Nach einem schnellen Start gab es eine holprige und verzögerte Bearbeitung des Themas durch eine durchaus hochrangige Arbeitsgruppe und dann ein Abschlussergebnis.“ Bischof Dr. Franz Jung habe das Ansinnen abgelehnt, weil er die Stellung der Priester nicht dadurch gefährden wolle, dass priesterliche Aufgaben durch Laien wahrgenommen werden. „Eine verständliche Sichtweise, versetze ich mich an seine Stelle.“
Wolf regte an, vorbehaltlos die Gründe zu analysieren, warum derzeit nur wenige Personen eine Stelle in der Pastoral anstreben. In Zukunft werde daher nicht mehr der Bedarf auf dem aktuellen Level sichergestellt werden können. Ohne das Priesteramt zu beschneiden oder gar zu verneinen werde es notwendig werden, Aufgaben von diesen auf Laien, „vielleicht sogar Ehrenamtliche“ zu verlagern, um die Kirche auch in der Fläche lebendig und lebensfähig zu erhalten. Sakramente seien zentral, deswegen bat Wolf Bischof Jung, zumindest mittelfristig seine Position zu überdenken. „Mir ist klar, dass wir hier heikle Themen tangieren, die Rom entscheiden muss. Aber wenn sich von unten nichts regt, wenn keine Meldung des Bedarfs aus den Bistümern ergeht, wie soll sich dann die Situation ändern?
Ähnlich sei die Situation bei der Leitung. Diese komme in der Kirche dem Pfarrer aufgrund der Weihe zu. „Führung wird heute hinterfragt. Befugnis und Fähigkeiten müssen im Einklang stehen. Führen ist lernbar“, betonte Wolf. Das gelte insbesondere jenseits der kirchlichen Verwaltung. „Die Führung der freiwillig Engagierten, die ja weder über einen Arbeitsvertrag noch ein Versprechen auf Gegenseitigkeit ihre Leistung zur Verfügung stellen, bedarf einer grundsätzlichen Festlegung und nachfolgend auch Ausbildung“, erklärte Wolf. Diese verlange vor allem nach einer Führungskultur, in der Werte und Normen gelebt werden und die auf einer gemeinsamen und eingeübten Haltung basierten.
Mit deutlicher Mehrheit sprach sich der Diözesanrat dafür aus, dass die Diözese weiterhin ihre drei Schulen Vinzentinum und Elisabethenheim in Würzburg sowie Theresia-Gerhardinger-Realschule in Amorbach in eigener Trägerschaft betreibt. Für die vorgesehenen Baumaßnahmen müsse ein regelmäßiges Monitoring erfolgen. Zudem votierten die Delegierten dafür, dass die acht (ehemaligen) Ordensschulen auf dem Gebiet des Bistums künftig einen Betriebskostenzuschuss aus dem Fonds für Ordensschulen, aber keine weiteren Zuschüsse aus dem Bistumshaushalt erhalten, insbesondere für Baumaßnahmen. Die sich durch diese Unterstützung ergebende Erhöhung der Mittel gegenüber der bereits beschlossenen Strategie müsse an anderer Stelle eingespart werden. „Hierzu sind Vorschläge zu erarbeiten und den diözesanen Gremien zur Beratung vorzulegen“, heißt es in dem Votum. Zudem stellte das Gremium grundsätzlich fest, dass es sich bei beiden von der Ordinariatskonferenz angeregten Voten um eine grundsätzliche Lageänderung handele. „Dies gilt es für den weiteren Prozess aufmerksam im Blick zu behalten“, damit daraus keine „Blaupause“ für weitere Veränderungen der Strategie entstünden.
Der Diözesanrat stellte sich außerdem hinter die Interventions- und Präventionsordnung des Bistums. Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran wertete das als ein „wichtiges Signal“ zum Schutz vor sexualisierter Gewalt und Missbrauch geistlicher Autorität. Zugleich forderte das Gremium die Bistumsleitung auf, seine Beteiligung sicherzustellen. Dafür solle die bisher bestehende Arbeitsgruppe fortgeführt werden. Außerdem betonte der Diözesanrat, dass eine Erweiterung dieser Gruppe um Fachpersonal zum Beispiel aus den Bereichen Datenschutz und IT-Sicherheit zwingend erforderlich sei. Zudem mahnten die Delegierten, nach einer Präventions-Grundschulung den Ehrenamtlichen Auffrischungskurse von kurzer Dauer im Rahmen von örtlichen Veranstaltungen oder in digitalem Format zu ermöglichen, damit der zeitliche Aufwand nicht überfordere.
Domkapitular Albin Krämer, Bischofsvikar für den 104. Deutschen Katholikentag, und sein Referent Dominik Großmann warben für die bevorstehende Großveranstaltung vom 13. bis zum 17. Mai in Würzburg. Das Programm sei seit 3. März veröffentlicht, jetzt könne sich jeder online oder in der Katholikentags-App über die Vielzahl der über 900 Veranstaltungen informieren und dann bis zum 15. März verbilligte Karten erwerben. „Kostenlos und ohne Ticket können Interessierte alle Veranstaltungen besuchen, die im Freien stattfinden. Dazu gehört der Abend der Begegnung am Mittwoch, bei den sich die neun Dekanate in der Innenstadt mit Kultur und Kulinarik vorstellen, aber auch die beiden Gottesdienste auf dem Residenzplatz an Christi Himmelfahrt und zum Abschluss am Sonntag“, betonte Krämer. Nähere Informationen, auch zu den Zuschüssen für Busse, die aus den Pastoralen Räumen zum Katholikentag nach Würzburg fahren, im Internet unter katholikentag.bistum-wuerzburg.de.
Vorgestellt wurden auch die Überlegungen, die fünf Senioreneinrichtungen der Diözese Würzburg ‒ Sankt Gertrudis und Sankt Elisabeth in Bad Kissingen, das Marienstift in Schweinfurt, Sankt Hedwig in Veitshöchheim sowie Sankt Thekla in Würzburg. Wie Finanzdirektor Ordinariatsrat Gerald Düchs erklärte, durch den geplanten Verkauf dieser Einrichtungen an die Caritas-Einrichtungen gGmbH kämen Betrieb und Eigentum in eine Hand. Kurze Entscheidungswege führten zu einer deutlichen Vereinfachung. Zudem seien die Betreiber die Experten was notwendige Baumaßnahmen und Investitionsentscheidungen angehe. Düchs erklärte außerdem, dass die Zahl der Bürogebäude des Bistums in der Innenstadt mittelfristig deutlich reduziert werde. Der Balthasar-Neumann-Bau des Marmelsteiner Hofs und die angemieteten Räume der IT in der Kolpingstraße würden zeitnah nicht mehr genutzt. Für weitere fünf Standorte wie die übrigen Gebäudeteile des Marmelsteiner Hofs und das Caritashaus in der Franziskanergasse werde es außerdem keine Umbaumaßnahmen geben. Modernisiert und in jedem Fall erhalten werden sollen Archiv und Bibliothek, das Priesterseminarsgebäude, Kilianeum, Kilianshaus, Burkardushaus und der Hof Conti.
mh (POW)









