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Militärschlag gegen Iran macht Bischof und Diözesanratsvorsitzenden Sorgen

Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats
Dr. Franz Jung: Umbau von Diözesanpastoralrat zu Synodalem Gremium geht voran ‒ „In Höchberg sind mehrere Dinge nicht korrekt gelaufen“ ‒ „Bericht zur Lage“ von Diözesanratsvorsitzendem Dr. Michael Wolf

Würzburg (POW) Zu weltpolitischen Krisen, deutschen Streitfragen und innerkirchlichen Herausforderungen hat bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg der Vorsitzende Dr. Michael Wolf in seinem „Bericht zur Lage“ am Samstag, 7. März, Stellung genommen. Er dankte vorweg den Kandidatinnen und Kandidaten der jüngsten Wahlen zu Gemeindeteams und Pfarrgemeinderäten und betonte die Bedeutung eines funktionierenden, demokratisch legitimierten Rätesystems in der Kirche.

Mit Blick auf den jüngsten militärischen Schlag der USA und Israels gegen den Iran warnte Wolf vor einer weiteren Eskalation im Nahen und Mittleren Osten. Luftangriffe allein würden keinen Krieg entscheiden, sagte er. Am Ende brauche es entweder einen inneren Umsturz oder Bodentruppen – beides Szenarien mit unkalkulierbaren Folgen. Die Regierungen müssten sich sehr genau fragen, welches Ziel sie verfolgten und welchen Preis sie zu zahlen bereit seien. Die Region brauche keinen weiteren „failed state“, mahnte Wolf und erinnerte daran, dass über die Straße von Hormus rund ein Fünftel des weltweiten Erdöls transportiert werde.

In der Innenpolitik griff Wolf das Ringen um das Gebäudeenergiegesetz auf. Die deutsche Klimapolitik sei derzeit kein Vorbild für zielgerichtetes und konsistentes Handeln, kritisierte er. Zwar sei das Ziel breit anerkannt, den CO2-Ausstoß zu senken, Entscheidungen würden jedoch parteipolitisch zerrieben. Die Rückkehr zu Gas- und Ölheizungen stelle die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Regelungen. Steigende CO2-Preise, knappe Mengen an grünem Gas und Wasserstoff sowie mögliche Rückzüge von Stadtwerken aus der Gasversorgung könnten vor allem sozial Schwächere hart treffen. Es müsse gewährleistet bleiben, dass Menschen nicht zwischen Essen und Heizen wählen müssten. „Nicht handeln ist verantwortungslos – Handeln braucht aber eine klare Zieldefinition“, betonte Wolf.

Skeptisch äußerte sich der Naturwissenschaftler zur derzeitigen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. KI könne Fluch oder Segen sein, dürfe aber nicht so organisiert werden, dass die Kosten vergesellschaftet und die Gewinne privatisiert würden. Der wachsende Energiebedarf von Rechenzentren und der notwendige Netzausbau würden über Gebühren letztlich von allen bezahlt. Zugleich forderte Wolf klare Grenzen beim militärischen Einsatz von KI. Autonome Waffensysteme, die selbst über den Einsatz von Gewalt entscheiden, lehnt er ab. Solange KI zu Fehlern und „Fantasien“ neige, müsse der Mensch die letzte Entscheidung behalten.

Ein geplantes Social-Media-Verbot für Kinder nahm Wolf zum Anlass, die Erwachsenen zu Selbstkritik zu ermahnen. Wer selbst ständig aufs Handy schaue, sei ein schlechtes Vorbild. Bevor über Verbote nachgedacht werde, müsse die Gesellschaft ihren eigenen Umgang mit digitalen Medien reflektieren. Ein „Digital Detox“, also ein freiwilliger Verzicht auf die Nutzung mobiler Endgeräte, könne helfen, Grenzen zu ziehen und Kindern Alternativen aufzuzeigen.

Innerkirchlich begrüßte Wolf die Wahl des Hildesheimer Bischofs Dr. Heiner Wilmer zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Wilmer werde starke Nerven, Ausdauer und ein ausgleichendes Wesen brauchen. Zugleich warb Wolf für mehr Verbindlichkeit unter den Bischöfen. Die Konferenz müsse zu gemeinsamen Entscheidungen kommen, an die sich dann auch alle hielten, sonst drohe die Kirche in Deutschland als „wilder Haufen“ wahrgenommen zu werden. Notwendig sei ein klarer, verbindlicher Entscheidungsprozess, der von allen akzeptiert werde und Kompromisse ermögliche.

Mit Blick auf die Kommunalwahlen in Bayern am 8. März rief der Diözesanratsvorsitzende dazu auf, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Wer wähle, helfe mit, den Kurs der Gemeinden zu bestimmen und die Demokratie lebendig zu halten.

Bischof Dr. Franz Jung erklärte in seinem Wort an die Vollversammlung, der Angriff der USA und Israels auf den Iran bereite ihm wegen dem drohenden Flächenbrand in der Region schlaflose Nächte. Der mögliche Sieg der AfD bei der kommenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sei für das Bistum Magdeburg bedrohlich. Die Partei habe angekündigt, sämtliche Staatsleistungen sowie den Einzug der Kirchensteuer umgehend zu beenden, sobald sie die Regierung stelle. Die Wahl Bischof Wilmers zum Vorsitzenden begrüßte er ausdrücklich. „Ich kenne ihn aus meiner Zeit als Speyerer Generalvikar sehr gut. Er war damals Ordensoberer, und der Sitz der Gemeinschaft war in Speyer.“

Im Bistum Würzburg werde die Weiterentwicklung des Diözesanpastoralrats zu einem Synodalen Gremium systematisch vorangebracht. Bereits in wenigen Tage gehe die Arbeit an der Satzung weiter. Als wichtigen Schritt auf Bundesebene wertete der Bischof, dass die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz die Statuten für die Synodale Konferenz genehmigt habe. Nun müsse Rom diesen Text noch rekognoszieren. Als Erfolg wertete er zudem, dass beim Verband der Diözesen Deutschlands wieder alle 27 (Erz-)Bistümer dem Haushalt zugestimmt haben.

Zum Prozess der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Pfarreiengemeinschaft Mariä Geburt und Sankt Norbert Höchberg erklärte der Bischof, dass die erste Phase nun abgeschlossen sei, in der es darum gegangen sei, das Handeln der damaligen Diözesanleitung ab dem Jahr 2010 zu rekonstruieren. Er erklärte, dass mehrere Dinge in Folge der Meldung sexuellen Missbrauchs nicht korrekt gelaufen seien. Es habe unter anderem keine kirchliche Voruntersuchung gegeben, keine schriftliche und somit nachweisbare Meldung nach Rom, keine Entfernung des Geistlichen aus dem Dienst und dem Pfarrhaus sowie keine Information der Gemeinde. „Was noch aussteht ist die Einschätzung des römischen Dikasteriums für die Bischöfe zum Vorgehen des damaligen Ortsbischofs Dr. Friedhelm Hofmann in diesem Zusammenhang in den Jahren zwischen 2010 und 2017“, betonte Bischof Jung. Wichtig sei nun, dass die Gemeinde gut in die Phase zwei der Aufarbeitung eintreten kann, in der es um die Bearbeitung der aufgekommenen Emotionen gehe. Unter anderem wolle man die Person des Gründerpfarrers anhand des Konzepts der „paradoxen Persönlichkeit“ betrachten.

mh (POW)