Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

„Ein Katholikentag, der Mut machen soll“ - Auf dem Weg zum Katholikentag 2026 in Würzburg

„Ein Katholikentag, der Mut machen soll“ - Auf dem Weg zum Katholikentag 2026 in...

Mehr
Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats

Bischof: Engagement vieler Menschen Fundament der Pastoralen Räume

Was Bischof Dr. Franz bei seinen Besuchen im Bistum beobachtet hat und welche Fragen anzugehen sind – Diözesanratsvorsitzender Wolf warnt vor negativem Blick auf Migration und fordert mehr sozialen Wohnungsbau

Volkersberg (POW) Zentrale Beobachtungen von seinen Besuchen in den 43 Pastoralen Räumen des Bistums Würzburg hat Bischof Dr. Franz Jung dem Diözesanrat bei der Frühjahrsvollversammlung auf dem Volkersberg (Landkreis Bad Kissingen) geschildert. Ihn habe beeindruckt, dass das Engagement einer großen Zahl von Menschen jeweils das Fundament der Pastoralen Räume bilde. „Überall habe ich eine große Sehnsucht nach Spiritualität und eine tiefe Dankbarkeit für Angebote der Glaubensvertiefung gespürt“, sagte er. Die Menschen seien motiviert, die Zukunft des Bistums zu gestalten und suchten zugleich Orientierung für diesen Weg. „Wir müssen ins Gespräch darüber kommen, wer heute die Trägerinnen und Träger der Pastoral sind und wer diese in Zukunft sein werden.“ Zudem geht es laut Bischof Jung um die Frage, wie Seelsorge und caritatives Handeln mit Mehrwert miteinander verbunden werden können. In diesem Zusammenhang habe er es als positiv empfunden, dass bei allen Terminen die Bürgermeister und Vertreter der evangelischen Kirche teilnahmen.

Nachdrücklich warb der Bischof für einen Dialog über die Themen Berufung und Personalgewinnung sowie die Zielsetzungen kirchlicher Anstrengungen. „Was tun wir, um die Gottesfrage in der Welt präsent zu halten?“ Das bedeute auch, Perspektiven für die Evangelisierung zu entwickeln. Beispielsweise müsse gefragt werden, wie der Glaube in der Gegenwart verkündet werden kann, wie Menschen gut auf Erstkommunion, Firmung und Ehe vorbereitet werden können. Klar sei: „Veränderung braucht Konzepte, Konzepte Akzeptanz. Akzeptanz benötigt Kommunikation, und diese wiederum Begleitung.“ Im Kern heiße das auch: „Wie gestalten und leben wir Synodalität?“ Bischof Jung warb zudem dafür, die Seelsorgerinnen und Seelsorger bei Verwaltungsaufgaben zu unterstützen. Dafür votierten die Delegierten des Diözesanrats bereits vor dem Wort des Bischofs einstimmig (siehe eigener Bericht).

Wenn es um das Thema Flucht und Vertreibung geht, verlören viel aus dem Blick, dass es dabei für die Betroffenen um das Überleben und das tägliche Brot gehe. Daran erinnerte Diözesanratsvorsitzender Dr. Michael Wolf, in seinem „Bericht zur Lage“. Der Anschlag auf die Kindergartengruppe in Aschaffenburg habe den diesjährigen Bundestagswahlkampf völlig verändert. Das Thema Migration habe die Tagesordnung beherrscht. „Wichtig wäre das Thema Wirtschaft gewesen. Deutschland befindet sich in einer Phase der Rezession, und eine Besserung scheint kurzfristig nicht in Sicht zu sein, nicht bei den von den USA ausgelösten wirtschaftlichen Wirren.“ Migration habe ethische und gesellschaftliche Aspekte. „Können wir Menschen, die vor kriegerischen Handlungen oder vor Verfolgung aus der Heimat fliehen, den Schutz verweigern? Meine Großeltern konnten von der Ablehnung der Flüchtlinge aus dem Osten durch die alteingesessene Bevölkerung erzählen.“

Von der aktuellen Migration profitiere die Gesellschaft, die andernfalls auf dem Weg Japans in die Überalterung wäre. Zudem hätten viele der Frauen und Männer, die als Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern und Heimen tätig sind, Migrationshintergrund. „In Großbritannien haben nach dem Brexit viele medizinische Fachkräfte das Land verlassen und die schon zuvor nicht besonders gute Behandlung noch verschlechtert.“ Für die im Wahlkampf geforderte Verschärfung der Grenzkontrollen fehlten zudem laut Gewerkschaft der Polizei die Beamten. Wolf kritisierte, dass die extreme Rechten nach einem Anschlag sofort versuche, die Massen zu mobilisieren, wenn der Attentäter Ausländer sei wie in Aschaffenburg oder Magdeburg. „Aber bitte wo war die Reaktion auf die Amokfahrt in Mannheim mit einem deutschen Fahrer? Jeder Anschlag auf Leib, Leben und Gesundheit oder Wirtschaftsgüter ist verwerflich und muss im Rahmen der bestehenden Gesetze verfolgt werden“, mahnte Wolf.

Zudem forderte Wolf, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Hier sind alle gefordert: Bund, Land, Kommunen, aber auch die Kirchen und deren Siedlungswerke.“ Hier angelegte Geld sei gut investiert. „Die AfD hat bei der jüngsten Bundestagswahl mehr als 20 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Ich glaube nicht, dass die Wähler alle dem extremen rechten Spektrum zuzuordnen sind. Aber viele von ihnen sind diejenigen, die sich von den Partien der Mitte nichts mehr erwarten.“ Mit Blick auf die von der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Bistum Würzburg (UKAM) für den 8. April angekündigte Vorstellung einer Studie sagte Wolf, er hoffe inständig, „dass wir von allen Fällen schon wissen und wir nicht von neuen Erkenntnissen überrascht werden. Eine Reaktion des Bistums wird notwendig sein, und vielleicht für viele auch schmerzhaft.“ Mit Blick auf die Präventionsschulungen der Diözese sagte Wolf: „Nehmen sie die angebotenen Schulungen wahr und seien sie aufmerksam. Es hilft dem Missbrauch vorzubeugen – und Vorbeugen ist besser als Heilen.“

mh (POW)