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Diözesanrat spricht sich für verpflichtendes Gesellschaftsjahr aus

Kiliani-Vollversammlung diskutiert mit Politikern und jungen Menschen das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gemeinwohl – Gremium fordert bis zu einer möglichen Grundgesetzänderung bessere Bedingungen für Freiwilligendienste

Würzburg (POW) Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg spricht sich für die Einführung eines verpflichtenden, geschlechtergerechten Gesellschaftsjahres aus. Auf seiner Vollversammlung im Vorfeld der Kiliani-Wallfahrtswoche diskutierte das Gremium am Samstag, 4. Juli, intensiv über das Verhältnis von persönlicher Freiheit und Gemeinwohl. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonten der Vorsitzende Dr. Michael Wolf und seine Stellvertreter Anja Mantel und Ralf Sauer, dass das Dienstjahr jungen Menschen die freie Wahl zwischen der Bundeswehr, dem Zivil- und Katastrophenschutz sowie sozialen und ökologischen Bereichen lassen müsse. Ziel sei neben der Steigerung der Resistenz nach innen und außen, Menschen unterschiedlicher Milieus zusammenzubringen, Vorurteile abzubauen und die Demokratie gegen Polarisierung zu stärken. Zudem biete das Jahr Orientierung für den Lebensweg und fördere die Geschlechtergerechtigkeit.

Da für die Einführung eine Grundgesetzänderung nötig ist, fordert der Diözesanrat bis zu einer politischen Mehrheit eine sofortige Stärkung der bestehenden Freiwilligendienste. Diese müssten finanziell besser ausgestattet, im Berufsweg stärker anerkannt und auch für junge Menschen mit Hauptschulabschluss sowie für Männer attraktiver gestaltet werden.

Ihre persönliche Ansichten zum Thema trugen zuvor aus Sicht der Politik die Bundestagsabgeordneten Dr. Anja Weisgerber (CSU) und Niklas Wagener (Bündnis 90/Die Grünen) vor, ebenso Henner Gädtke, Bundesvorsitzender des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Maximilian Kramlich, unterfränkischer Bezirksschülersprecher für Gymnasien.

Weisgerber hob in ihrem Statement hervor, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht von selbst entstehe. Jeder müsse sich einbringen. Das gelte insbesondere jetzt, da die Sicherheit des Landes so herausgefordert sei wie nicht mehr seit Ende des Kalten Kriegs. Deswegen, erklärte Weisgerber, habe sie sich auch persönlich dafür eingesetzt, dass sich auch Frauen verpflichtend bei der Befragung zur Bereitschaft zum Wehrdienst äußern müssen. „Leider vergeblich“, wie sie betonte. Bezirksschülersprecher Kramlich sagte, er habe bei den Schülerinnen und Schülern eine Meinung zum Thema abgefragt. Dafür und dagegen hielten sich in etwa Waage. „Ich möchte betonen, dass meine Generation nicht zu faul ist. Im Gegenteil, mehr von uns als je zuvor arbeiten neben der Schule, um sich etwas dazuzuverdienen.“ Es passe aber vielen nicht, wenn etwas für sie entschieden werde, ohne dass sie als Betroffene selbst dazu gehört würden.

„Die Bundeswehr muss stark sein, damit es niemand wagt, uns anzugreifen. Material allein reicht nicht, es braucht auch Personal“, erklärte Wagener. Er gehört dem Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags an. Wagener plädierte dafür, Verteidigung und Resilienz breiter zu sehen als allein militärisch. Auch in der Pflege, für die kritische Infrastruktur und zum Schutz und Erhalt der Umwelt seien Menschen vonnöten. Deswegen befürworte er auch eher ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für alle. BDKJ-Bundesvorsitzender Gädtke brach eine Lanze dafür, freiwillige Dienste auch als solche zu belassen. „Wir hätten als Träger solcher Angebote im vergangenen Jahr 30 Prozent mehr Plätze vergeben können als wir haben. Es fehlten uns aber die Mittel.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion, an der auch Diözesanratsvorsitzender Wolf teilnahm, kamen schnell einige Herausforderungen zutage, die mit einer allgemeinen Dienstpflicht für Männer und Frauen verbunden wären. Zum einen bedürfte es dafür einer Zwei-Drittel-Mehrheit des Bundestags, und eine Zustimmung seitens der AfD und der Linken sei wenig wahrscheinlich. Zum anderen seien die 2600 Euro brutto, die Wehrdienstleistende erhielten, deutlich mehr als das Geld, was es derzeit bei anderen Freiwilligendiensten gebe. Auch die Bundeswehr, durch das Sondervermögen im Zuge der „Zeitenwende“ finanziell gut ausgestattet, könne keineswegs sofort die geforderte Zusatzmenge an neuen Soldaten ausbilden, ausstatten oder beherbergen. Einig zeigten sich insbesondere die beiden Bundestagsabgeordneten, dass eine Entscheidung nicht über die Köpfe der jungen Leute hinweg gefällt werden dürfe. Zu diesem Zweck seien Veranstaltungen wie diese Podiumsdiskussion sehr wertvoll, betonten die beiden.

Bevor der Diözesanrat am Samstagabend die letzte gemeinsame Sitzung vor der Neukonstituierung im Herbst mit einem Grillabend und Kabarett mit Fredi Breunig ausklingen ließ, informierte Birke Schmidt, Referentin für Ehrenamtsförderung und Engagemententwicklung, über die vielfältigen Unterstützungsangebote der Diözese für Ehrenamtliche. Mit Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran tauschten sich die Delegierten zudem über die Evaluation des Prozesses „Gemeinsam Kirche sein ‒ Pastoral der Zukunft“ aus.

mh (POW)